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  • Birgit Baumann

“Das Unsichtbare sichtbar machen durch die Realität…” frei nach Max Beckmann


Wie der Körper die Sichtbarmachung von seelischen Vorgängen ist, kann jeder künstlerische Ausdruck des Menschen, jede symbolhafte Darstellung auch in Vorstellungsbildern und Träumen eine Übersetzung von seelischen Themen in die Realität sein.


Die Realität brauchen wir Menschen als sinnliche Wesen, um über die Erfahrbarkeit unserer Sinne einen Zugang zum Ungesagten zu finden. Das Ungesagte ist das Un-oder Vorbewusste, das Unaussprechliche, das uns aber dennoch lenkt und in der Welt ausrichtet. Zugang zu dieser persönlichen inneren Welt zu finden, die eigenen Symbole zu deuten und ins Licht des bewussten Reflektierens zu führen, erlaubt es, uns zu erkennen, uns zu verändern und zu wachsen.


In meinem Blog möchte ich verschiedene Symbole und Zeichen aus der Kunst und dem Leben aufgreifen und bezogen auf die große Bedeutungswelt der Tiefenpsychologie nach C.G. Jung beschreiben.


Fühlt Euch interessiert und inspiriert!


Zum Bild “Rücken-Ansicht”, Öl auf Papier, 50 x 50 cm


Das Bild zeigt eine Zeichnung von 2 Armen, deren Hände über den Schultern schwingen. Der Kopf und das Rückenmark erscheinen als Echinacea Pflanze, auf deren Blüte eine Garnele sitzt. Der untere Rand des Bildes wird durch ein Blatt gesäumt. Der linke Arm endet an der Schulter mit einem Vogel, das rechte Schulterblatt hat Schlingen von Pflanzen.


Was löst die Symbolik in dir aus? Nimm dir einfach Zeit, deine eigene Interpretation ohne Bewertung oder Fragen nach dem Warum zu erspüren.

In der Betrachtung von Symbolen geht es nie um richtig oder falsch, sondern um das detektivische Suchen nach dem, was Bedeutung haben könnte.


Die psychologischen Funktionen und ihre künstlerische Darstellung

C.G. Jung beschreibt in seiner Analytischen Psychologie die vier Ich Funktionen: Intuieren, Empfinden, Fühlen und Denken. Stellt Euch 2 Achsen vor, die vertikale Achse beschreibt, wie wir Menschen die Welt wahrnehmen, entweder mehr aus der Intuition, der Wahrnehmung des Ganzen und seiner Zusammenhänge und der Idee, die hinter etwas steht, oder aus dem Empfinden heraus.


Das Empfinden ist an die Wahrnehmung der Realität gebunden: was sehe, fühle, höre und schmecke ich, worauf das verweist. Die vertikale Achse der Ich-Funktion beschreibt, wie wir als Menschen unsere Wahrnehmung beurteilen. Sage ich als erstes “das stimmt oder stimmt so nicht für mich”, urteilen ich aus der Fühlfunktion. Erkenne ich die Dinge in ihrem Objektstatus und beurteile nach Kategorien richtig oder falsch, präferiere ich Denken als Urteilsfunktion.


Klaus-Uwe Adam hat in seinem Buch “Ich-Funktionen und unbewusstes Malen” sehr eindrücklich Farben beschrieben, die jeweils den Funktionen zugeordnet sind.

Unser Bildbeispiel hier, welche Ich-Funktionen könnte es beschreiben und wie stehen sie im Verhältnis zueinander?


Den Schwerpunkt sieht man hier deutlich auf der vertikalen Achse, das Thema ist die Wahrnehmung. Dem Intuieren ist die Farbe gelb, dem Empfinden die Farbe Grün zugeordnet. So ist also die Echinacea-Blüte, obwohl sie groß erscheint und asl Symbol des Kopfes uns verleiten lässt, das Intuieren als dominante Wahrnehmungsfunktion zu erkennen. Aber dominierend ist das Grün, also die Empfindung. Könnte man also sagen, das Bild spricht von einem Menschen, der seine große Ideenwelt nicht nur denken, sondern auch tief empfinden kann?


Und wenn man sich die horizontale Achse des Urteilens anschaut, die links das Fühlen und rechts das Denken abbildet, sieht man die Farbe des Denkens, Blau auf der rechten Seite. Die Farbe des Fühlen , Rot, befindet sich als Violet mehr in der Intuition (im Kopf), allerdings wird hier der Vogel, der aus dem Arm sich entwickelt, zum Symbol des freien Fühlens.


Abschließend könnte man die Deutung wagen, dass diese Zeichnung in Öl eine kraftvolle Wahrnehmung der Welt aus dem Bereich der Ideen und gleichzeitig durch den Körper beschreibt. Man könnte auch sagen, Körper und Geist sind hier ausgeglichen und eine starke Allianz im Kontakt mit der Welt. Man könnte vermuten, dass die Künstler*In sich der Wahrnehmung der Welt sehr bewusst ist. Spannend wird abzuwarten, ob ein weiteres Bild auch das Verhältnis von Fühlen und Denken zur Welt thematisieren könnte.


Mit dem gleichen Interpretationsansatz der Ich-Funktionen habe ich voller Begeisterung die Ausstellung von Hilma af Klint im Vergleich zu Wassily Kandinsky im K21 in Düsseldorf betrachtet. Dort findet sich ein ganzer Zyklus, wie der Mensch seine Wahrnehmung nach- und ausdifferenziert.

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