Schematherapie leicht erklärt – wie dein inneres Kind vom gesunden Erwachsenen unterstützt wird

Birgit Baumann
Schematherapie leicht erklärt – wie dein inneres Kind vom gesunden Erwachsenen unterstützt wird

Schematherapie leicht erklärt – wie dein inneres Kind vom gesunden Erwachsenen unterstützt wird

Kurzfassung: Die Schematherapie erklärt, wie früh entstandene Muster und das innere Kind unser Verhalten prägen und wie der gesunde Erwachsene als innerer Coach unterstützt und zu nachhaltiger emotionaler Heilung beiträgt.

1 | Was ist Schematherapie eigentlich?

Schematherapie ist eine moderne Form der Psychotherapie, die Gefühle und Gedanken gleichzeitig einbezieht Sie hilft besonders dann, wenn alte Muster dein Leben bestimmen – Muster, die oft schon in der Kindheit entstanden sind. Vielleicht kennst du das: Du merkst, dass du dich in bestimmten Situationen immer wieder verletzt fühlst oder unbewusst Entscheidungen triffst, die dir nicht guttun. Genau hier setzt die Schematherapie auf verblüffend verständliche und wirkungsvolle Weise an an: Sie hilft dir, diese Muster zu erkennen, zu verstehen und zu verändern.

Sie wurde in den 1990er Jahren von Jeffrey Young entwickelt und zählt zur sogenannten 3. Welle der kognitiven Verhaltenstherapie. Im Gegensatz zur klassischen Verhaltenstherapie, die vor allem auf aktuelle Gedanken und Verhaltensweisen fokussiert, kombiniert die Schematherapie kognitive, verhaltensorientierte und emotionsfokussierte Methoden. Jeffrey Young wollte etwas schaffen, das besonders bei chronischen Problemen und tief verwurzelten Mustern hilft. Die Verhaltenstherapie nutzt dabei die Erfahrungen der Tiefenpsychologie, die seit Sigmund Freud und C.G.Jung besonders die unbewussten, frühkindlichen Einflüsse auf die menschliche Psyche erforscht. Verhaltenstherapie udn Tiefenpsychologie nähern sich also in der modernen Psychotherapie an und profitieren voneinander.

1.1 | Wie arbeitet die Schematherapie?

Im Kern geht es darum, deine sogenannten Schemata zu entdecken, zu verstehen und neue Formen des Umgangs zu finden. Schemata sind tief verwurzelte Denkmuster und Glaubenssätze über dich selbst, andere und die Welt. Sie entstehen oft in der Kindheit und können dich ein Leben lang beeinflussen, oft sogar unbewusst. Immer dann, wenn du getriggert wirst, sehr starke unkontrollierte Gefühle überkommen, du dich extrem hilflos, wütend oder verletzlich fühlst: dann hat dich ein Schema im Griff. Eine Psychotherapie hilft dir, diese Schemata zu erkennen und deine Trigger verstehen: Du verstehst, welche Bedürfnisse hinter diesen Gefühlen stehen, was sie mit deiner Kindheit zu tun haben und wie du sie dir jetzt,als Erwachsene Person, erfüllen kannst.

2 | Das innere Kind – wer ist das?

2 Das innere Kind – wer ist das? Ein wichtiger Bestandteil der Schematherapie ist das innere Kind. Dein inneres Kind repräsentiert Gefühle, Verletzlichkeit und Bedürfnisse aus deiner Vergangenheit, die vielleicht nie richtig gesehen oder verstanden wurden. Es kann sein, dass es immer noch Angst, Traurigkeit oder Wut in dir auslöst – genau diese Gefühle wollen in der Therapie bearbeitet werden.

2.1 | Der gesunde Erwachsene – dein innerer Coach

Dein inneres Kind sind also deine Gefühlsanteile, die sich in deiner Biografie entwickelt haben. Wer kommt aber zur Therapie oder zur Beratung? Das ist der erwachsene Teil in dir, der in der Gegenwart lebt, realistisch denken und Grenzen setzen kann und tief im Inneren spürt, dass er dich schützen kann. Dein "gesunder Erwachsener" ist dein innerer Coach, der für dich da ist. Er kann das innere Kind trösten, schützen und ihm helfen, alte Wunden zu heilen und Selbstzweifel zu überwinden. Die Schematherapie trainiert dich darin, diesen gesunden Erwachsenen in deinem Alltag aktiv werden zu lassen, sodass er alte Muster nach und nach ersetzt. Du kannst dich dann selbst coachen und begleiten.

2.2 | Bewältigungsformen – wie wir mit innerem Schmerz umgehen

Wenn ein Schema oder das innere Kind aktiviert wird, versucht deine Psyche automatisch, mit diesem inneren Stress umzugehen. Diese Strategien nennt man Bewältigungsformen. Es gibt grundsätzlich drei typische Bewältigungsweisen:

  • Unterordnung (du passt dich an, stellst dich zurück)
  • Vermeidung (du lenkst dich ab, ziehst dich zurück, betäubst Gefühle)
  • Überkompensation (du wirst kontrollierend, perfektionistisch oder sehr stark)

Diese Bewältigungsformen sind nicht „falsch“ – sie waren früher oft notwendig, um emotional zu überleben. Nur heute sind sie nicht mehr hilfreich. Sie können sogar zu Ängsten, starken Selbstzweifeln, Süchten, Zwängen oder Depressionen führen.

Psychische Erkrankungen oder starke Beeinträchtigungen des Lebensalltags gehören in ärztliche Hände und sollten immer durch einen Arzt oder psychologischen Psychotherapeuten abgeklärt werden.

3 | Warum Schematherapie so wirksam ist

Solange das innere Kind noch stark verletzt ist, steht dein Nervensystem unter Alarm. In diesem Zustand kann der gesunde Erwachsene kaum übernehmen. Dann greift automatisch eine alte Bewältigungsform, weil sie sich sicherer anfühlt – auch wenn sie langfristig schadet.

Erst wenn das innere Kind sich gesehen, beruhigt und geschützt fühlt, entsteht innerer Raum für funktionales Verhalten. Deshalb setzt die Schematherapie nicht nur auf „sich zusammenreißen“, sondern auf emotionale Heilung.

Schematherapie kann sehr hilfreich sein, weil sie nicht nur oberflächlich Symptome behandelt, sondern die Ursachen deiner Probleme angeht. Studien zeigen, dass Schematherapie besonders bei chronischen Problemen, Ängsten, Beziehungsschwierigkeiten oder Depressionen langfristig Erfolge bringt. Sie kombiniert Erkenntnis (Verstehen, warum du so reagierst) mit emotionaler Arbeit (Fühlen und Verändern) – eine Kombination, die tief wirkt. Und: eine Schematherapeut:In erklärt dir jeden einzelnen Schritt. Die Aufklärung, Psychoedukation genannt, ist in der Schematherapie sehr wichtig.

3.1 | Wie die Arbeit konkret aussieht

 In der Praxis erkennst du zuerst deine Schemata, lernst dann, wie dein inneres Kind reagiert, und übst schließlich, deinen gesunden Erwachsenen zu aktivieren. Das passiert durch Gespräche, Rollenspiele, Stift-und-Papier-Übungen oder kleine Visualisierungen. Es geht darum, dass du fühlst, was du früher gebraucht hättest, und dass du dir selbst genau das jetzt geben kannst. In der ganzheitlichen Psychotherapie werden auch Methoden aus der Tiefenpsychologie oder anderen Therapieformen, wie z.B. dem Katathym Imaginativen Bilderleben (KIP) mit hinzu genommen, um Schemata zu verstehen, erlebbar zu mache und in neue Ressourcen zu wandeln.

4 | Eine kleine innere Kind Übung für Zuhause

 Du kannst schon jetzt anfangen, dein inneres Kind zu stärken:

  • Setz dich an einen ruhigen Ort und schließe die Augen.
  • Stell dir vor, du triffst dein jüngeres Ich, vielleicht 6 oder 8 Jahre alt.
  • Schau es liebevoll an und sag innerlich: „Ich bin hier für dich. Ich passe auf dich auf.“
  • Spüre, wie dein inneres Kind reagiert. Es darf lachen, weinen oder einfach da sein.
  • Wenn du magst, kannst du eine Hand auf dein Herz legen und dir vorstellen, dass ihr beide verbunden seid.

5 | Fazit – warum es sich lohnt

Schematherapie ist wie ein Werkzeugkasten für deine Psyche: Sie hilft dir, alte Muster zu erkennen, dein inneres Kind zu verstehen und zu trösten, und deinen gesunden Erwachsenen zu stärken. Für junge Menschen ist sie besonders wertvoll, weil sie nicht nur Probleme behandelt, sondern Selbstverständnis, Selbstfürsorge und emotionale Stärke fördert. Wer sich auf diesen Prozess einlässt, lernt nicht nur, mit alten Wunden umzugehen, sondern auch, ein freieres, selbstbestimmtes Leben zu führen.

Wenn du neugierig geworden bist oder spürst, dass Schematherapie für dich hilfreich sein könnte, lade ich dich herzlich zu einem Erstgespräch ein – ein erster Schritt, um dich und deine inneren Muster besser kennenzulernen. Meine Praxis für Psychotherapie in Bochum-Innenstadt bietet dir einen geschützten und kraftvollen Raum, deine Themen mit mir zu besprechen.

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