Aufschieberitis: Was will ich eigentlich vermeiden?

Birgit Baumann
Symbolbild für Aufschieberitis und Prokrastination

Aufschieberitis: Was will ich eigentlich vermeiden?

Kurzfassung: Aufschieberitis ist selten bloßes Faulsein, oft verbirgt sich dahinter ein Schutzmechanismus gegen Gefühle wie Scham, Angst vor Leistungsanforderung oder innere Leere. Wenn Sie das konkrete Vermeidungsziel erkennen, können Sie gezielte Strategien wählen, statt auf reine Selbstdisziplin zu setzen.

Aufschieberitis ist selten Faulheit – oft ist sie ein Schutzmechanismus. Wenn Sie prokrastinieren, vermeiden Sie meist nicht die Aufgabe, sondern ein Gefühl: Druck, Angst vor Leistungsanforderung, Scham oder innere Leere. Sobald Sie verstehen, welches innere Schema aktiviert ist und an welcher Stelle in der Selbstmotivierung Sie hängen bleiben, können Sie gezielt umsteuern – ohne sich mit Selbstdisziplin zu überrollen.

Aufschieberitis ist eines der häufigsten Themen, das mir in meiner Praxis für Psychotherapie und psychologische Beratung in Bochum und Online begegnet – bei Führungskräften ebenso wie bei Studierenden, Kreativen oder Menschen in Umbruchsituationen. Und fast immer steckt dahinter ein innerer Konflikt: Ein Teil von Ihnen will vorwärts. Ein anderer Teil will auf keinen Fall in eine bestimmte innere Situation geraten.

Wenn Aufschieben sich wie „Ich krieg’s einfach nicht hin“ anfühlt, lohnt ein anderer Blick: Vielleicht funktioniert Ihre Psyche gerade sogar sehr sinnvoll – nur eben gegen Ihre Ziele. Besonders deutlich wird das, wenn eine Aufgabe mit Angst verknüpft ist. Bei manchen ist es die diffuse Sorge zu versagen, bei anderen ganz konkret die angst vor leistungsanforderung – und plötzlich ist die E-Mail „nicht mehr heute“ oder die Prüfungsvorbereitung „morgen früh viel besser“. Wenn Angst das Grundgefühl ist, kann es hilfreich sein, das Thema auch im Kontext von Angststoerungen einzuordnen – nicht um sich zu pathologisieren, sondern um sich ernst zu nehmen.

In diesem Artikel erkläre ich Prokrastination aus der Schematherapie, integriere das Rubikon-Modell von Heckhausen und gebe Ihnen konkrete Schritte an die Hand – inklusive eines Modells, das ich in meiner Praxis entwickelt habe, um das Vermeidungsziel hinter dem Aufschieben präzise zu entschlüsseln.

1 | Aufschieberitis ist ein Vermeidungsprojekt – nicht nur Zeitmanagement

Viele Ratgeber behandeln Prokrastination wie ein Organisationsproblem: To-do-Listen, Pomodoro, Kalenderblöcke. Das kann hilfreich sein – aber nur, wenn das Problem tatsächlich fehlende Struktur ist.

In meiner Praxis erlebe ich jedoch häufig etwas anderes: Menschen können organisieren. Sie führen Teams, bauen Unternehmen auf, stemmen Projekte. Und trotzdem scheitern sie an einer bestimmten Aufgabe. Warum?

Weil Aufschieberitis oft nicht die Aufgabe vermeidet, sondern das innere Erleben, das mit der Aufgabe verknüpft ist.

Typische „verbotene Gefühle“, die hinter dem Aufschieben liegen:

  • Scham („Wenn ich’s nicht perfekt mache, bin ich peinlich.“)
  • Hilflosigkeit („Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll – ich fühle mich klein.“)
  • Überforderung („Ich verliere Kontrolle, wenn ich da reingehe.“)
  • Wut („Ich will das nicht – und wenn ich es tun muss, erst recht nicht.“)
  • Leere/Langeweile („Es fühlt sich sinnlos an, ich spüre mich nicht.“)

Gerade Langeweile wird unterschätzt. Nicht, weil sie harmlos ist – sondern weil sie bei manchen Menschen eine alte Erfahrung berührt: „Wenn es still wird, kommt Unruhe hoch.“ Aufschieben wird dann zur Dauerbeschäftigung, um innere Spannung nicht zu spüren.

Und ja: Prokrastination kann auch mit Beziehungen zu tun haben. Ich sehe oft, dass Menschen in Konflikten lieber Leistungsthemen „bearbeiten“, als eine heikle Dynamik anzusprechen. Wenn Sie sich darin wiedererkennen, kann der Blick auf Beziehungsprobleme überraschend entlastend sein: Nicht, weil Ihre To-do-Liste „eigentlich Beziehung“ ist – sondern weil Stress in Beziehungen die Selbststeuerung messbar schwächt.

2 | Schematherapie: Welche inneren Anteile schieben auf – und wovor schützen sie Sie?

Die Schematherapie (nach Jeffrey Young) bietet eine sehr praxistaugliche Landkarte: Sie geht davon aus, dass wir früh gelernte Muster (Schemata) und dazugehörige Zustände (Modi) entwickeln. Unter Stress übernehmen dann bestimmte Modi das Steuer – und plötzlich handeln wir nicht mehr „erwachsen“, sondern aus einem alten inneren Programm.

2.1 | Drei Modi, die Aufschieberitis häufig antreiben

1) Der_die Antreiber_in / Kritiker*in Dieser Modus macht Druck: „Jetzt reiß dich zusammen. Das muss perfekt sein.“ Paradox: Je härter der innere Druck, desto wahrscheinlicher wird das Aufschieben – weil der nächste Modus anspringt.

2) Das verletzliche Kind Hier liegen Gefühle wie Angst, Scham, Ohnmacht. Genau dieses innere Erleben wird durch Leistungsanforderungen aktiviert – besonders bei problemen mit Prüfungen und auf der Arbeit. Der Körper reagiert dann oft wie bei Gefahr: Anspannung, Fluchtimpuls, Vermeidung.

3) Der_die Vermeider_in (Abschalt-/Fluchtmodus) Das ist der Prokrastinationsmodus schlechthin: Scrollen, Aufräumen, „erst noch schnell…“, Serien, Snacks, endlose Recherche. Nicht aus Faulheit, sondern zur Selbstberuhigung.

In der Schematherapie arbeiten wir daran, dass der gesunde Erwachsene wieder mehr Führung übernimmt: freundlich, klar, realistisch. Und dass ohne das innere Kind, die Freude am Leben, zu vergessen.

2.2 | Lust-und Unlustprinzip – und warum es bei manchen Menschen „verformt“ ist

Das Lust-und Unlustprinzip ist menschlich: Wir gehen auf Angenehmes zu und vermeiden Unangenehmes. Bei Aufschieberitis ist dieses Prinzip jedoch oft konditioniert worden.

Ich frage in Sitzungen manchmal: „Wann haben Sie gelernt, dass Leistung weh tut?“

Die Antworten sind erstaunlich ähnlich:

  • Lob gab es nur bei Perfektion.
  • Fehler wurden beschämt („Wie kann man so schlampig sein?“).
  • Leistung war mit Bindung verknüpft („Wenn du gut bist, bin ich zufrieden.“).
  • Oder: Leistung war sinnlos, weil Anerkennung ausblieb – dann wird Unlust zu innerer Resignation.

So entsteht ein Lust-Unlust-Schema: Unlust wird als Gefahr markiert („Wenn es sich schwer anfühlt, stimmt etwas nicht.“) und Lust wird als Pflicht entwertet („Wenn es Spaß macht, ist es nicht ernsthaft.“).

Das Ergebnis: Sie arbeiten erst dann, wenn Druck groß genug ist. Und dann glauben Sie irgendwann: „Ziele nicht erreichen können ohne Druck.“ Das ist kein Charakterfehler. Das ist ein erlerntes Regelwerk.

3 | Das Rubikon-Modell (Heckhausen): An welcher Schwelle Ihre Motivation kippt

Das Rubikon-Modell beschreibt, wie aus einem Wunsch eine Handlung wird – und warum Menschen an bestimmten Stellen stecken bleiben. Es unterscheidet grob vier Phasen:

  1. Abwägen (motivational) – „Will ich das wirklich? Was bringt es mir?“
  2. Entscheiden (Rubikon überschreiten) – „Ich mache es.“
  3. Planen & Handeln (volitional) – Umsetzung, Schutz vor Ablenkung
  4. Bewerten (Rückschau) – „Wie lief es? Was lerne ich daraus?“

Viele Prokrastinierende hängen nicht beim Handeln – sondern vor dem Rubikon, in der Abwägephase. Oder sie überschreiten ihn, fallen aber beim ersten inneren Widerstand wieder zurück.

3.1 | Typische Rubikon-Stolperstellen bei Aufschieberitis

Stolperstelle A: Abwägen ohne Ende Sie denken viel, optimieren, recherchieren, sammeln Tools. Das fühlt sich nach Arbeit an – ist aber oft Angstmanagement.

Stolperstelle B: Entscheidung ohne Bindung Sie sagen „Ich mache es“, aber ohne inneres Ja. Dann genügt ein kleiner Stressor und der Vermeider übernimmt.

Stolperstelle C: Handeln ohne Motive Sie handeln gegen sich. Dann entsteht innerer Gegendruck – und Sie brauchen immer mehr Kontrolle.

Eine meiner wichtigsten Fragen an Klient*innen lautet: „Welche innere Strafe vermeiden Sie, wenn Sie aufschieben?“

Genau dort liegt meist die blockierende Schwelle im Rubikon-Modell.

3.2 | Wie Sie Ihre persönlichen Motive erkennen (statt sich zu „disziplinieren“)

Motivation ist nicht nur Wille. Motivation hat Richtung. Und sie hat eine Geschichte.

Drei Motive, die bei Führungskräften häufig dominieren:

  • Leistungsmotiv (etwas gut machen, Wirksamkeit spüren)
  • Anschlussmotiv (Zugehörigkeit, Anerkennung, Beziehung)
  • Macht-/Einflussmotiv (Gestalten, entscheiden, Verantwortung tragen)

Aufschieberitis entsteht oft, wenn Aufgabe und Motiv nicht zusammenpassen. Beispiel aus meiner Praxis: Eine Führungskraft schiebt Präsentationen auf – nicht weil sie es nicht kann, sondern weil der innere Kritiker die Messlatte so hoch legt, dass das Leistungsmotiv in Angst kippt. Eine andere Person schiebt Budgetplanung auf, weil ihr Anschlussmotiv leidet: Zahlen wirken kalt, gleichzeitig gibt es unausgesprochenen Teamkonflikt – und das System sendet: „Mach erst Beziehung sicher.“

4 | Mein Praxis-Modell: Die 4 Vermeidungsziele hinter Prokrastination (V.E.R.M.)

Damit Sie nicht nur „wissen“, sondern erkennen, was bei Ihnen passiert, nutze ich ein Modell, das sich in meiner Arbeit bewährt hat: V.E.R.M. – vier häufige Vermeidungsziele hinter Aufschieberitis. (Ja, wie „Wurm“: Prokrastination frisst sich leise durch Ziele.)

4.1 | V – Vermeidung von Bewertung (Scham & Perfektion)

Sie vermeiden nicht die Aufgabe, sondern das Urteil:

  • „Wenn ich es mache, könnte man sehen, dass ich nicht gut genug bin.“
  • „Wenn ich anfange, muss ich liefern.“

Typisch bei angst vor leistungsanforderung und bei Menschen, die früh über Leistung definiert wurden.

Mini-Intervention: Arbeiten Sie mit absichtlich unperfekten ersten Versionen: „Schmutzentwurf in 12 Minuten.“ Das ist nicht Tricksen, sondern Nervensystemtraining: Sicherheit durch Machbarkeit.

4.2 | E – Entkommen aus Enge (Kontrollverlust & Überforderung)

Hier ist die Aufgabe ein „Tunnel“. Sobald Sie starten, fühlen Sie sich gefangen. Viele, die so reagieren, haben ein Schema von Unzulänglichkeit oder Überhöhten Standards – und innerlich kein Gefühl von Wahl.

Mini-Intervention: Geben Sie Ihrem System Wahlmöglichkeiten zurück: „Ich arbeite 7 Minuten – dann entscheide ich neu.“ Das klingt banal, wirkt aber auf die Autonomie. Und Autonomie senkt Stress.

4.3 | R – Regulierung von innerer Leere (Langeweile & Sinnlosigkeit)

Hier ist Langeweile nicht Faulheit, sondern eine Art emotionales Vakuum. Manche Menschen haben gelernt, dass sie sich nur bei Hochdruck spüren. Ohne Druck wird alles flach.

Mini-Intervention: Sinn vor Struktur. Klären Sie: „Wofür ist das wichtig – für mich?“ Wenn Sie keinen echten Grund finden, ist das bereits eine wichtige Diagnose: Vielleicht verfolgen Sie Ziele, die nicht Ihre sind.

4.4 | M – Minimierung von Konflikt (Ärger, Loyalität, Beziehung)

Ein unterschätztes Muster: Sie schieben auf, weil die Aufgabe indirekt einen Konflikt auslöst. Beispiel: Die E-Mail an den Kunden bedeutet, Grenzen zu setzen. Der Bericht bedeutet, sichtbar zu werden. Die Prüfung bedeutet, die Familie zu überholen – und das fühlt sich loyalitätswidrig an. Die eigenen Interessen zu wahren und gleichzeitig in Beziehung zu blieben kann ein gutes Ziel für eine Psychotherapie und zur eigenen Entwicklung sein.

5 | Aus der Praxis: Drei typische Prokrastinations-Profile bei Führung & Leistungsträgern

Ich möchte Ihnen drei Muster schildern, die mir immer wieder begegnen. Vielleicht erkennen Sie sich wieder – und spüren dabei: „Ah. Das bin nicht ‚ich als Problem‘ – das ist ein Muster, das Sinn ergibt.“

5.1 | Der_die Hochleister_in, der*die nur unter Druck funktioniert

Diese Menschen sagen häufig: „Ich brauche den Druck, sonst passiert nichts.“ Und ja: Kurzfristig funktioniert das. Neurobiologisch ist das plausibel: Stresshormone erhöhen Fokus – für eine Zeit. Aber der Preis ist hoch: Schlaf, Beziehung, Gesundheit, Kreativität.

Langfristig entsteht ein gefährlicher Kreislauf:

  • Aufgabe → innerer Kritiker → Stress
  • Stress → Vermeidung → Schuldgefühle
  • Schuldgefühle → noch mehr Stress → „Jetzt muss ich aber“

So wird „Ziele nicht erreichen können ohne Druck“ zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

Therapeutischer Hebel: Wir stärken den gesunden Erwachsenen (Schematherapie) und bauen Druck durch realistische Standards ab. Oft arbeite ich zusätzlich mit Imagination und Stuhlarbeit, um Kritikerstimmen zu entmachten – nicht durch Kampf, sondern durch neue innere Führung.

5.2 | Der_die Verantwortliche, der_die an Prüfungen oder Bewertungen scheitert

Bei probleme mit Prüfungen und auf der Arbeit sehe ich häufig das Schema „Versagen“ oder „Defekt/Scham“. Schon kleine Leistungsbewertungen triggern dann Alarm. Der Körper geht in Kampf/Flucht – und Flucht heißt: aufschieben.

Therapeutischer Hebel: Exposition in Mini-Schritten (ja, auch bei Prokrastination!), kombiniert mit Selbstmitgefühlstraining. Der Punkt ist nicht „mehr Mut“, sondern mehr innere Sicherheit.

5.3 | Der_die Sinnsucher_in, der*die in Langeweile versandet

Hier sind Aufgaben nicht schwer, sondern leer. Oft betrifft es administrative Tätigkeiten oder Routine. Wenn das Leben insgesamt unter Sinnmangel leidet, wird jede Aufgabe zäh. Aufschieben ist dann ein stiller Protest: „So will ich nicht leben.“

Therapeutischer Hebel: Motivklärung und Wertearbeit (z.B. ACT-Elemente), plus konkrete Gestaltung: Aufgaben so umbauen, dass sie wieder an ein persönliches Motiv andocken.

6 | Konkrete Schritte: Lust-und Unlustschemata umprägen – ohne Selbstüberforderung

„Umprägen“ klingt groß. Ich meine damit etwas sehr Praktisches: Ihr Nervensystem lernt, dass Unlust nicht gefährlich ist und Lust nicht verboten. Das ist Training, kein Entschluss.

6.1 | Der 5-Minuten-Vertrag (Rubikon-tauglich)

Wenn Sie ständig vor dem Rubikon hängen, brauchen Sie keine großen Pläne – Sie brauchen eine kleine, glaubwürdige Entscheidung.

Formulierung:

  • „Ich mache 5 Minuten an Aufgabe X.“
  • „Danach darf ich aufhören – oder freiwillig weitermachen.“

Wichtig: Das „Darf“ ist kein Trick, sondern Autonomie. Damit vermeiden Sie das innere Gefängnisgefühl.

6.2 | Unlust richtig dosieren: „80%-unangenehm ist zu viel“

Viele Menschen überschätzen, wie viel Unlust sie „aushalten müssen“, um produktiv zu sein. Wenn Unlust auf 80% steigt, übernimmt Ihr Vermeider. Dann verlieren Sie. Nicht aus Schwäche – aus Biologie.

Fragen Sie sich stattdessen:

  • „Wie kann ich die Unlust auf 30–40% senken?“

Konkrete Stellschrauben:

  • Start in Mini-Schritten (nur Überschrift, nur erstes Beispiel)
  • Körper regulieren (Wasser, Bewegung, Atem verlängern)
  • Umfeld entlasten (Handy raus, Browser zu)
  • Soziale Co-Regulation (Body-Doubling, kurzer Check-in)

6.3 | Den inneren Kritiker entwaffnen: „Danke, du willst mich schützen“

Ein Satz, der in meiner Praxis erstaunlich viel verändert:

  • „Danke, dass du mich schützen willst. Ich entscheide trotzdem klein anzufangen.“

Das ist nicht „positives Denken“. Das ist Modusarbeit: Sie geben dem Kritiker einen Platz, aber nicht das Steuer.

6.4 | Neue Kopplung: Lust an Fortschritt statt Lust an Flucht

Wenn Ihr System Lust bislang über Flucht reguliert (Snack, Scroll, Shopping), brauchen Sie eine neue Lustquelle: Fortschritt.

Ich empfehle dafür eine sehr konkrete Spur:

  • Nach 5 Minuten Arbeit: ein sichtbares Häkchen, ein Satz im Journal, ein Mini-Update an sich selbst.
  • Nicht als Kontrolle, sondern als Dopamin-Anker: „Ich bewege mich.“

6.5 | Grenzen & Realismus: Wann Selbsthilfe nicht reicht

Wenn Prokrastination stark mit Panik, massiver Scham, depressiver Erschöpfung oder Traumafolgen verbunden ist, sind Tools allein oft zu wenig. Dann ist es sinnvoll, therapeutisch zu arbeiten – nicht weil Sie „zu schwach“ sind, sondern weil Ihr System Schutzprogramme fährt, die man nicht mit Checklisten überreden kann.

Manche Menschen profitieren zusätzlich von körperorientierten Verfahren, weil Prokrastination auch eine Energie- und Spannungsregulationsfrage ist.

7 | Reflexionsfragen (für Ihr persönliches Muster)

  1. Wenn Sie aufschieben: Welches Gefühl wollen Sie in diesem Moment am meisten nicht spüren?
  2. Welches der V.E.R.M.-Vermeidungsziele (Bewertung, Enge, Leere, Konflikt) trifft Sie am ehesten – und woran merken Sie das konkret?
  3. An welcher Stelle im Rubikon-Modell bleiben Sie stecken: beim Abwägen, Entscheiden, Handeln oder Bewerten?
  4. Welche Aufgabe braucht wirklich Disziplin – und welche braucht eher Motivklärung oder eine Grenze („Das ist nicht mein Ziel“)?
  5. Wie klingt Ihr innerer Kritiker wörtlich – und was würde ein gesunder, erwachsener Anteil darauf antworten?

Aufschieberitis verstehen und nachhaltig lösen

Wenn Sie nicht allein mehr Selbstdisziplin brauchen, sondern den tieferen Grund Ihrer Prokrastination klären möchten, begleite ich Sie schematherapeutisch und alltagsnah. Gemeinsam entlasten wir innere Druckmuster und entwickeln praktikable Schritte für mehr Handlungssicherheit.

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